Investieren für dein Kind: Die beste Altersvorsorge
Warum CHF 100 pro Monat ab Geburt die stärkste Altersvorsorge für dein Kind sind: Zinseszins über 65 Jahre, Konto auf Kind oder Eltern, Steuern und die ersten Schritte.
Die meisten Eltern sparen für ihr Kind auf einem Sparkonto: für den Führerschein, die erste Wohnung, vielleicht das Studium. Das ist gut gemeint und verschenkt trotzdem den grössten Vorteil, den dein Kind hat. Dein Kind hat nämlich etwas, das dir selbst fehlt: Zeit. Bis zur Pensionierung liegen bei einem Neugeborenen rund 65 Jahre vor ihm. Wer diese Zeit mit einem breit gestreuten Aktien-Sparplan nutzt, baut mit kleinen Beträgen eine Altersvorsorge auf, die dein Kind später mit keinem Lohn der Welt so günstig nachholen könnte. Wir zeigen dir die Rechnung, die rechtlichen Stolpersteine und wie du in einer Stunde startest.
Der unfairste Vorteil der Welt: 65 Jahre Zeit
Nehmen wir ein einfaches Szenario: Du investierst ab der Geburt deines Kindes CHF 100 pro Monat in einen weltweiten Aktien-ETF. Mit 18 hörst du auf einzuzahlen. Danach rührt niemand das Geld an, bis dein Kind 65 ist.
Eingezahlt hast du in diesen 18 Jahren genau CHF 21'600. So viel wird daraus, je nach durchschnittlicher Rendite pro Jahr:
| Rendite pro Jahr | Einbezahlt | Wert mit 18 | Wert mit 65 |
|---|---|---|---|
| 3 % | CHF 21'600 | rund CHF 28'500 | rund CHF 114'300 |
| 5 % | CHF 21'600 | rund CHF 34'500 | rund CHF 342'000 |
| 7 % | CHF 21'600 | rund CHF 42'100 | rund CHF 1'012'100 |
Eigene Berechnung mit monatlicher Einzahlung und jährlicher Verzinsung, vor Steuern und Inflation. Die Renditen sind Annahmen, keine Garantie.
Schau dir die mittlere Zeile an. Mit 18 ist das Depot rund CHF 34'500 wert, ganz nett, aber nicht spektakulär. Die eigentliche Arbeit passiert danach: In den folgenden 47 Jahren verzehnfacht sich das Geld, ohne dass jemand noch einen einzigen Franken einzahlt. Das ist der Zinseszins in Reinform und er braucht vor allem eines: Zeit. Deine eigenen Zahlen rechnest du im Zinseszins-Rechner durch.
Ein Wort zur Inflation: CHF 342'000 in 65 Jahren kaufen nicht so viel ein wie CHF 342'000 heute. Aktien sind aber gerade eine der wenigen Anlagen, die über lange Zeiträume deutlich mehr als die Teuerung abwerfen. Auf dem Sparkonto würde das Geld real schrumpfen. Wie stark die Teuerung an deinem Geld nagt, zeigen wir in Inflation & Kaufkraft Schweiz.
Warum das die beste Altersvorsorge ist
Die Stärke dieser Idee zeigt sich erst im Vergleich. Angenommen, dein Kind möchte mit 65 dieselben CHF 342'000 haben (bei 5 % pro Jahr), fängt aber erst selbst an zu sparen:
- Start mit 25: rund CHF 231 pro Monat, 40 Jahre lang. Einbezahlt: über CHF 110'000.
- Start mit 35: rund CHF 419 pro Monat, 30 Jahre lang. Einbezahlt: gut CHF 150'000.
- Start mit 45: rund CHF 843 pro Monat, 20 Jahre lang. Einbezahlt: gut CHF 200'000.
Du erreichst dasselbe Ziel mit CHF 21'600. Kein anderer Vorsorge-Hebel, weder die Säule 3a noch ein Pensionskassen-Einkauf, kommt an diese Wirkung heran. Nicht weil das Produkt besser wäre, sondern weil der Start früher ist.
Dazu kommt ein zweiter Punkt: Die AHV finanziert sich im Umlageverfahren und auf jede Person im Rentenalter kommen in den nächsten Jahrzehnten immer weniger Erwerbstätige. Niemand weiss, wie die erste und zweite Säule aussehen, wenn dein Kind in Rente geht. Eigenes Kapital, das unabhängig vom System wächst, ist deshalb die robusteste Ergänzung. Wie die AHV heute rechnet, liest du in AHV-Rente berechnen.
Und noch etwas: Ein Kind, das mit 30 weiss, dass es für die Pensionierung schon eine solide Basis hat, kann freier entscheiden. Teilzeit, Weiterbildung, Selbständigkeit, ein Sabbatical. Im FIRE-Jargon heisst das «Coast FIRE»: Das Vermögen wächst von allein zum Ziel, du musst nur noch deine laufenden Kosten verdienen. Mehr dazu in unserem FIRE-Guide.
Woher das Geld kommt: die Kinderzulage
CHF 100 pro Monat klingt nach viel, wenn das Familienbudget ohnehin knapp ist. Es gibt aber eine Quelle, die viele übersehen: die Kinderzulage. Sie beträgt 2026 schweizweit mindestens CHF 215 pro Monat und Kind, viele Kantone zahlen mehr. Ab 16 Jahren gibt es während der Ausbildung mindestens CHF 268 Ausbildungszulage.
Wenn du einen Teil davon, etwa CHF 50 oder CHF 100, per Dauerauftrag direkt in den Sparplan leitest, merkst du es im Alltag kaum. Wie du dein Familienbudget so aufstellst, dass das geht, zeigen wir in Budget erstellen.
Weitere Quellen, die sich lohnen:
- Geldgeschenke von Grosseltern, Gotte und Götti zur Geburt, zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Viele schenken lieber in ein Depot als ein weiteres Spielzeug, man muss sie nur fragen.
- Ein Startbetrag zur Geburt: CHF 5'000 einmalig angelegt werden bei 5 % pro Jahr bis 18 zu rund CHF 12'000 und bis 65 zu rund CHF 119'000.
- Auch kleine Beträge zählen: CHF 25 pro Monat sind ein Viertel der Tabelle oben. Lieber klein anfangen als gar nicht.
Konto auf das Kind oder auf dich? Die wichtigste Entscheidung
Bevor du ein Depot eröffnest, musst du eine Frage klären, die viele Eltern unterschätzen: Auf wessen Namen läuft das Geld?
Variante A: Depot auf den Namen des Kindes. Das Geld ist dann rechtlich Kindesvermögen (Art. 318 ff. ZGB). Du verwaltest es als Elternteil bis zur Volljährigkeit, aber es gehört deinem Kind. Die Erträge darfst du für Unterhalt, Erziehung und Ausbildung verwenden. An das Kapital selbst kommst du dagegen nur in Ausnahmefällen und meist nur mit Zustimmung der KESB. Mit 18 erhält dein Kind automatisch die volle Verfügung über alles, was auf seinen Namen läuft. Auch dann, wenn es von dem Depot bis dahin nichts wusste.
Variante B: Depot auf deinen Namen, gedanklich fürs Kind. Du behältst die volle Kontrolle und entscheidest selbst, wann und wie viel du deinem Kind später schenkst, zum Beispiel mit 25 oder 30. Rechtlich ist das Geld aber dein Vermögen. Es fällt bei einer Scheidung in die güterrechtliche Teilung, bei deinem Tod in den Nachlass und steht deinen Gläubigern offen.
| Depot auf das Kind | Depot auf dich | |
|---|---|---|
| Wem gehört das Geld? | dem Kind | dir |
| Wer entscheidet ab 18? | das Kind allein | du |
| Zugriff für Eltern | nur Erträge, für das Kind | jederzeit |
| Bei Scheidung oder Tod der Eltern | bleibt beim Kind | Teil von Güterrecht bzw. Nachlass |
| Steuern bis 18 | bei den Eltern | bei den Eltern |
Es gibt kein Richtig oder Falsch. Variante A ist sauber und schützt das Geld eindeutig für dein Kind. Variante B passt besser, wenn du einen echten «Renten-Topf» anlegen willst, den dein Kind nicht mit 18 für ein Auto ausgibt. Viele Eltern kombinieren beides, dazu gleich mehr.
Steuern: kein Trick, aber auch kein Nachteil
Ein verbreiteter Irrtum: Ein Depot auf den Namen des Kindes spart Steuern. Das stimmt in der Schweiz nicht. Einkommen und Vermögen minderjähriger Kinder werden den Eltern zugerechnet und mit ihnen zusammen versteuert (Art. 9 Abs. 2 DBG). Ausnahme ist nur ein eigenes Erwerbseinkommen des Kindes, etwa der Lehrlingslohn.
Ansonsten gelten für das Kinderdepot dieselben Regeln wie für dein eigenes:
- Kapitalgewinne sind steuerfrei, solange ihr als Privatanleger geltet. Mit einem ruhigen Sparplan ist das klar der Fall.
- Dividenden und Zinsen sind als Einkommen steuerbar, auch bei thesaurierenden ETFs.
- Die Verrechnungssteuer von 35 % auf Schweizer Erträgen forderst du über die Steuererklärung zurück.
- Das Depot zählt zum Vermögen und damit zur Vermögenssteuer.
Schenkungen an die eigenen Kinder sind in fast allen Kantonen steuerfrei. Ausnahmen mit Freibeträgen kennen etwa Neuenburg, Waadt und Appenzell Innerrhoden. Die Details stehen in unserem Beitrag Erbschaftssteuer Schweiz. Hast du mehrere Kinder, denk an die Ausgleichungspflicht im Erbrecht: Grössere Zuwendungen an ein Kind werden später auf seinen Erbteil angerechnet. Am einfachsten ist es, alle Kinder gleich zu behandeln oder die Absicht schriftlich festzuhalten.
Säule 3a fürs Kind? Noch nicht
Die Säule 3a wäre steuerlich ideal, ist für Kinder aber nicht möglich. Einzahlen darf nur, wer ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen hat. Das ändert sich mit dem ersten Lohn, zum Beispiel in der Lehre. Ab dann kann dein Kind selbst in die Säule 3a einzahlen und profitiert vom Steuerabzug, sobald es eigene Steuern zahlt. Alles Wichtige dazu steht im Säule-3a-Guide.
Vorsicht bei Produkten, die als «Kinder-Vorsorge» oder «Sparversicherung fürs Kind» verkauft werden. Oft handelt es sich um Lebensversicherungen mit Sparteil. Sie binden dich über viele Jahre, sind teurer und ein vorzeitiger Ausstieg kostet häufig Geld. Rechne die Gesamtkosten genau nach, bevor du unterschreibst. Für den reinen Vermögensaufbau ist ein günstiger ETF-Sparplan in aller Regel die flexiblere Lösung.
Die Kosten entscheiden über Zehntausende Franken
Über 65 Jahre wird selbst ein kleiner Kostenunterschied riesig. Rechnen wir das Beispiel von oben mit weniger Nettorendite, weil höhere Gebühren jedes Jahr etwas abzwacken:
- 5 % pro Jahr (günstiger ETF): rund CHF 342'000 mit 65
- 4 % pro Jahr (1 Prozentpunkt mehr Kosten): rund CHF 198'000 mit 65
Ein einziger Prozentpunkt Gebühren kostet dein Kind hier über CHF 140'000. Deshalb gilt: breit gestreut, tiefe laufende Kosten, keine teuren aktiv gemanagten Fonds. Warum ein einziger weltweiter ETF oft reicht, liest du in MSCI World vs. FTSE All-World.
So startest du: sechs Schritte
- Zuerst deine eigene Vorsorge. Wie im Flugzeug: erst die eigene Sauerstoffmaske. Ein Notgroschen und deine eigene Säule 3a kommen vor dem Kinderdepot. Eltern, die im Alter finanziell auf ihre Kinder angewiesen sind, helfen ihnen am wenigsten. Wie viel Reserve du brauchst, zeigt Notgroschen aufbauen.
- Entscheide dich für eine Konto-Variante (Kind oder du, siehe oben).
- Wähle einen breit gestreuten, günstigen Aktien-ETF. Wie das genau funktioniert, erklärt ETF-Investieren für Anfänger.
- Automatisiere mit einem Dauerauftrag, am besten direkt nach der Auszahlung der Kinderzulage. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in ETF-Sparplan mit Dauerauftrag.
- Trenne zwei Töpfe. Ein Ausbildungstopf für Lehre, Studium oder Führerschein, den dein Kind zwischen 16 und 25 braucht. Und ein Renten-Topf, der bis zur Pensionierung liegen bleibt. Teilst du die CHF 100 hälftig auf, hat jeder Topf mit 18 rund CHF 17'300. Der Renten-Topf wächst bis 65 allein auf rund CHF 171'000 (bei 5 % pro Jahr).
- Nicht verkaufen, wenn die Börse fällt. Es wird in 65 Jahren mehrere Crashs geben. Wer nicht verkauft, profitiert von der Erholung. Der Anlagehorizont deines Kindes ist so lang, dass kurzfristige Schwankungen keine Rolle spielen.
Welchen Betrag du monatlich brauchst, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, rechnet dir der Sparziel-Rechner aus.
Das grösste Geschenk ist das Wissen dazu
Egal welche Variante du wählst, irgendwann entscheidet dein Kind selbst über sein Geld. Spätestens mit 18 bei einem Depot auf seinen Namen, bei einem Depot auf deinen Namen dann, wenn du es ihm übergibst. Ob aus CHF 34'500 eine solide Altersvorsorge wird oder ein neues Auto, hängt davon ab, ob dein Kind versteht, was es da in der Hand hält.
Deshalb lohnt es sich, das Depot nicht geheim zu halten. Zeig deinem Kind ab dem Schulalter, wie sein Geld wächst. Erkläre den Zinseszins mit echten Zahlen aus seinem eigenen Depot. Lass es mit 12 oder 14 mitentscheiden. So wird aus einem Sparplan ein Stück Finanzbildung, das ein Leben lang wirkt.
Häufig gestellte Fragen
Ist es nicht zu riskant, das Geld eines Kindes in Aktien anzulegen?
Kurzfristig schwanken Aktien stark, ein Minus von 30 % in einem schlechten Jahr ist möglich. Über Zeiträume von 20 Jahren und mehr haben breit gestreute Aktienportfolios historisch aber deutlich besser abgeschnitten als Sparkonten. Geld, das in den nächsten Jahren gebraucht wird, zum Beispiel der Ausbildungstopf ab etwa 14 Jahren, schichtest du schrittweise in sicherere Anlagen um. Eine Garantie gibt es an der Börse nie.
Was ist, wenn mein Kind das Geld mit 18 einfach ausgibt?
Bei einem Depot auf seinen Namen darf es das. Die beste Absicherung ist frühe Finanzbildung. Wer sichergehen will, dass ein Teil bis zur Pensionierung liegen bleibt, führt diesen Renten-Topf auf den eigenen Namen und schenkt ihn später.
Lohnt sich ein Kindersparkonto überhaupt noch?
Für kurzfristige Ziele und als erster Kontakt mit Geld: ja. Für den langfristigen Vermögensaufbau kaum. CHF 100 pro Monat bei 0,5 % Zins ergeben mit 18 rund CHF 22'600 und mit 65 knapp CHF 28'600, nicht einmal ein Zehntel dessen, was der ETF-Sparplan im mittleren Szenario erreicht.
Fazit: Der beste Zeitpunkt ist jetzt
Investieren für dein Kind ist keine Frage des Einkommens, sondern der Zeit. Schon CHF 100 pro Monat aus der Kinderzulage können über 65 Jahre zu einem sechsstelligen Betrag werden, den dein Kind selbst nur mit einem Vielfachen an Einsatz nachholen könnte. Kläre zuerst deine eigene Vorsorge, entscheide bewusst, auf wessen Namen das Depot läuft, halte die Kosten tief und bring deinem Kind bei, was es da geschenkt bekommt. Der zweitbeste Zeitpunkt zum Starten ist übrigens heute, egal wie alt dein Kind schon ist.