MSCI World vs. FTSE All-World: Reicht ein weltweiter ETF?
MSCI World oder FTSE All-World? IWDA vs VWRL im Vergleich: Emerging Markets, TER, Steuern für Schweizer – und warum für die meisten ein einziger weltweiter ETF reicht.
Kompliziert muss es nicht sein. Für die meisten Schweizer Anlegerinnen und Anleger reicht ein einziger weltweiter ETF – breit gestreut, tief in den Kosten, nachgewiesen in der Performance. Die einzige echte Entscheidung: MSCI World oder FTSE All-World? In diesem Guide zeigen wir dir den Unterschied, was er für deine Rendite bedeutet und worauf du als Schweizer Anleger steuerlich achten solltest.
Was ist ein weltweiter ETF?
Ein weltweiter ETF bildet Tausende Unternehmen aus der ganzen Welt in einem einzigen Produkt ab. Mit einem einzigen Kauf bist du automatisch an Apple, Nestlé, Samsung und Tausenden weiteren Firmen beteiligt. Du musst keine einzelnen Aktien auswählen und kein Timing betreiben – du kaufst schlicht «den Markt».
Warum reicht ein einziger ETF?
Die Antwort liegt in der Diversifikation. Wenn du in mehrere Tausend Unternehmen investiert bist, spielt es kaum eine Rolle, wenn einige davon schlecht laufen. Und weil der ETF die Gewichtung automatisch anpasst, brauchst du dich um nichts zu kümmern.
Dazu kommt ein unbequemer Fakt für die Fondsbranche: Über 90 % der aktiv verwalteten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex langfristig nicht – nach Kosten. Der ETF ist der Index. Du zahlst einen Bruchteil der Gebühren und bekommst trotzdem die bessere Rendite.
MSCI World vs. FTSE All-World – der eine Entscheid, der zählt
Beide sind «weltweit», aber nicht identisch. Der Unterschied liegt vor allem bei den Schwellenländern (Emerging Markets):
| MSCI World | FTSE All-World | |
|---|---|---|
| Bekanntester ETF | iShares Core MSCI World (IWDA) | Vanguard FTSE All-World (VWRL) |
| Unternehmen | ca. 1'400 | ca. 3'700 |
| Länder | 23 (nur Industrieländer) | über 40 (inkl. Schwellenländer) |
| Emerging Markets | nein | ja (ca. 10 %) |
| TER (Kosten/Jahr) | ca. 0.20 % | ca. 0.22 % |
| Ertragsverwendung | thesaurierend (IWDA) | ausschüttend (VWRL) |
Kurz gesagt: Der MSCI World deckt nur Industrieländer ab, der FTSE All-World nimmt zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien oder Taiwan mit. Wer maximale Streuung will, nimmt den All-World. Wer die (schwankungsanfälligeren) Schwellenländer bewusst weglassen will, nimmt den MSCI World. Beides ist eine völlig vertretbare Wahl – ein Fehler ist nur, sich gar nicht zu entscheiden.
IWDA vs. VWRL ganz konkret
- iShares Core MSCI World (IWDA): thesaurierend (reinvestiert Dividenden automatisch), sehr tiefe 0.20 % TER, ideal für alle, die einfach laufen lassen wollen.
- Vanguard FTSE All-World (VWRL): ausschüttend (du erhältst Dividenden aufs Konto), 0.22 % TER, inklusive Schwellenländer – ein einziges Produkt für die ganze Welt.
Beide sind an der Schweizer Börse SIX in CHF handelbar und steuerlich für Schweizer sauber aufgesetzt (dazu gleich mehr).
Steuern für Schweizer Anleger – das solltest du wissen
Hier machen viele Fehler. Drei Punkte sind wichtig:
- Fondsdomizil Irland (ISIN beginnt mit «IE»): Dank des Steuerabkommens zwischen Irland und den USA fällt auf US-Dividenden im Fonds nur die reduzierte Quellensteuer von 15 % an. Achte deshalb auf in Irland domizilierte ETFs – beide oben genannten erfüllen das.
- Diese 15 % auf Fondsebene kannst du nicht zurückfordern – sie sind der unvermeidbare «Steuer-Leakage». Mehr ist mit einem breiten Welt-ETF aber nicht zu holen.
- Thesaurierend spart in der Schweiz keine Steuern: Anders als oft angenommen, werden Dividenden hierzulande als Einkommen besteuert – egal ob der ETF ausschüttet oder thesauriert. Die ESTV-Kursliste weist den steuerbaren Ertrag aus. Die Wahl zwischen IWDA und VWRL ist also keine Steuerfrage, sondern eine Frage der Bequemlichkeit.
Währungsrisiko – musst du absichern?
Ein weltweiter ETF hält Unternehmen in Dollar, Euro, Yen und vielen anderen Währungen. Das klingt nach Risiko – ist aber für langfristige Aktienanlagen zweitrangig. Ob der ETF in CHF, USD oder EUR notiert, ändert nichts an den zugrunde liegenden Werten; die Handelswährung ist nur eine Umrechnung. Eine teure Währungsabsicherung lohnt sich für ein langfristiges Aktiendepot in der Regel nicht. Lass dich davon nicht verunsichern.
Home Bias – etwas Schweiz dazu?
Manche mischen bewusst einen kleinen Anteil Schweizer Aktien bei (z.B. einen SPI- oder SMI-ETF), weil sie ihre Ausgaben in CHF haben. Das ist Geschmackssache. Für die meisten reicht der weltweite ETF völlig – die Schweiz ist darin ohnehin enthalten, einfach mit ihrem realen Weltgewicht.
Wo kannst du diese ETFs kaufen?
Wir nutzen findependent für automatische monatliche Sparpläne und Saxo für einzelne Käufe. Mit Code KUU7NG bei findependent hast du CHF 1'000 Gebühren-Freibetrag, bei Saxo gibt es eine Trading-Gutschrift über CHF 500.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, starte mit unserem ETF-Guide für Anfänger. Wie du einen automatischen Sparplan einrichtest, zeigen wir dir Schritt für Schritt im ETF-Sparplan-Guide.
Häufig gestellte Fragen zum Welt-ETF
MSCI World oder FTSE All-World – was ist besser?
Es gibt kein objektiv «besser». Der FTSE All-World ist breiter gestreut (inkl. Schwellenländer), der MSCI World konzentriert sich auf Industrieländer. Beide sind eine solide Basis fürs ganze Depot. Entscheide dich für eines und bleib dabei.
Reicht wirklich ein einziger ETF?
Für die meisten ja. Ein weltweiter ETF deckt Tausende Unternehmen in über 40 Ländern ab. Mehr Komplexität bringt selten mehr Rendite – aber fast immer mehr Aufwand und Kosten.
Thesaurierend oder ausschüttend?
In der Schweiz steuerlich egal – beide Varianten werden auf die Dividenden besteuert. Thesaurierend (IWDA) ist bequemer, weil reinvestiert wird; ausschüttend (VWRL) gibt dir Cashflow. Wähle nach Vorliebe.
Muss ich auf das Fondsdomizil achten?
Ja. Bevorzuge in Irland domizilierte ETFs (ISIN «IE…»). Sie profitieren vom günstigen Steuerabkommen mit den USA und reduzieren die Quellensteuer auf US-Dividenden auf 15 %.
Fazit
Fang an. Fang einfach an. Ein weltweiter ETF – ob MSCI World oder FTSE All-World – ein monatlicher Sparplan, und die Zeit macht den Rest. Die perfekte Wahl gibt es nicht; die beste ist die, bei der du dranbleibst.