Krankenkassenprämien 2027: Was jetzt auf dich zukommt
Das BAG hat die Prämien 2027 bekannt gegeben: Die mittlere Prämie steigt um 5,0 % auf CHF 412. Wir zeigen dir die Zahlen, die Kündigungsfrist bis 30. November und was du jetzt konkret tun kannst.
Seit dem 29. September steht es fest: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Krankenkassenprämien 2027 bekannt gegeben. Die mittlere Monatsprämie steigt um 5,0 Prozent auf CHF 412. Für Erwachsene liegt sie bei CHF 487.60 (+ 4,9 %), für junge Erwachsene bei CHF 338.80 (+ 4,8 %) und für Kinder bei CHF 128.10 (+ 4,6 %). Der Anstieg fällt damit stärker aus als im Vorjahr (+ 4,4 %). Eine Entlastung ist nicht in Sicht.
Für dich heisst das vor allem eines: Bis zum 30. November hast du Zeit, deine Krankenkasse zu wechseln, wenn dir die neue Prämie nicht passt, danach ist die Chance für ein ganzes Jahr vertan. Wir zeigen dir, was die Prämienerhöhung 2027 für dich bedeutet, warum sie kommt und mit welchen konkreten Schritten du bis Ende November handelst statt nur zu stöhnen.
Was dich 2027 wirklich erwartet
Die Zahlen sind offiziell: Das BAG hat die mittleren Prämien 2027 am 29. September 2026 veröffentlicht. Die mittlere Monatsprämie steigt um CHF 19.70 oder 5,0 Prozent auf CHF 412. Je nach Altersgruppe sieht das so aus:
| Altersgruppe | Prämie 2027 pro Monat | Veränderung |
|---|---|---|
| Alle Versicherten (Durchschnitt) | CHF 412.00 | + 5,0 % |
| Erwachsene | CHF 487.60 | + 4,9 % |
| Junge Erwachsene | CHF 338.80 | + 4,8 % |
| Kinder | CHF 128.10 | + 4,6 % |
Die Prognosen vom Frühling, zum Beispiel die von Comparis mit 3,7 Prozent, lagen damit zu tief.
Zur Einordnung lohnt sich der Blick zurück:
| Jahr | Prämienanstieg (Durchschnitt) |
|---|---|
| 2023 | + 6,6 % |
| 2024 | + 8,7 % |
| 2025 | + 6,0 % |
| 2026 | + 4,4 % |
| 2027 | + 5,0 % |
Der Anstieg 2027 liegt wieder über dem Vorjahr. Verschwunden ist das Problem nicht, eine sinkende Prämie ist für niemanden realistisch in Sicht.
Wichtig: 5,0 Prozent ist ein Durchschnittswert über alle Kassen, Kantone und Altersgruppen. Regional schwankt das stark, Kantone wie Basel-Stadt, Genf oder Tessin liegen traditionell deutlich über dem Schnitt, während Appenzell Innerrhoden oder Uri zu den günstigsten gehören. Wohnst du in einem teuren Kanton, kann dein persönlicher Anstieg 2027 spürbar über den 5,0 Prozent liegen. Die für dich verbindliche Zahl siehst du erst auf dem Prämienbrief, den die Kassen bis Ende Oktober verschicken.
Warum die Prämien schon wieder steigen
Die Gesundheitskosten steigen weiter und die Prämien folgen ihnen. Als Gründe nennt das BAG mehr Behandlungen, den medizinisch-technischen Fortschritt und die Alterung der Bevölkerung. Das BAG schätzt das Kostenwachstum für 2027 auf 5,0 Prozent, die Prämien steigen entsprechend.
Der Bund versucht, den Anstieg zu bremsen: Ein runder Tisch erarbeitet seit 2024 Massnahmen und der Bundesrat will bis Ende Jahr Kosten- und Qualitätsziele für die Jahre 2028 bis 2031 festlegen. Auf die Prämien 2027 hat das keinen Einfluss mehr.
Für dich ändert das an der Grundversicherung selbst nichts: Sie ist im Krankenversicherungsgesetz (KVG) geregelt und bei jeder Kasse identisch, gleiche Leistungen, gleiche Franchise-Stufen, gleiche Regeln. Was du beeinflussen kannst, ist einzig, bei welcher Kasse und in welchem Modell du diese Leistungen einkaufst.
Die Frist, die zählt: 30. November
Die Frist für einen Wechsel per Ende Jahr läuft jedes Jahr gleich ab: Deine schriftliche Kündigung muss spätestens am 30. November bei deiner aktuellen Kasse eintreffen. Massgebend ist das Eingangsdatum, nicht der Poststempel. Fällt der 30. November auf ein Wochenende, muss die Kündigung schon am Freitag davor eintreffen. Das BAG empfiehlt, den Brief bis Mitte November eingeschrieben oder mit A-Post Plus zu verschicken. So kannst du den Eingang notfalls beweisen.
Verpasst du diese Frist, bleibst du 2027 in der Regel bei deiner heutigen Kasse, selbst wenn du am 2. Dezember die günstigere Alternative findest. Nur im Standardmodell mit der ordentlichen Franchise (Erwachsene CHF 300, Kinder CHF 0) geht ein Wechsel auch per 1. Juli 2027, wenn die Kündigung bis 31. März 2027 bei der Kasse ist. Alle anderen können erst wieder per 1. Januar 2028 wechseln.
Praktisch heisst das: Sobald dein Prämienbrief im Oktober eintrifft, hast du realistisch vier bis sechs Wochen Zeit, um zu vergleichen und zu handeln. Trag dir jetzt schon einen Termin Mitte November in den Kalender ein, sonst verschiebst du es erfahrungsgemäss, bis es zu spät ist.
Gratis-Helfer
Den Kündigungsbrief für alle Personen im Haushalt erstellst du in fünf Minuten mit dem Krankenkassen-Helfer. Dazu bekommst du alle Fristen für den Kalender. Deine Angaben bleiben in deinem Browser.
Wichtig für alle mit Zusatzversicherung: Die Frist zum 30. November gilt nur für die obligatorische Grundversicherung. Zusatzversicherungen wie Spital- oder Zahnzusatz laufen über separate Verträge mit eigenen, oft längeren Kündigungsfristen, die in deiner Police stehen. Kündigst du nur die Grundversicherung, läuft die Zusatzversicherung automatisch weiter. Kündigst du versehentlich beides, verlierst du unter Umständen einen Schutz, den du eigentlich behalten wolltest. Prüfe deine Police also genau, bevor du den Brief abschickst.
Sparmodell oder hohe Franchise: Du kannst trotzdem wechseln
Was viele nicht wissen: Auch mit einem Sparmodell wie Hausarzt, HMO oder Telmed oder mit einer hohen Wahlfranchise kannst du jedes Jahr per 31. Dezember wechseln. Es gilt dieselbe Frist wie für alle: Die Kündigung muss bis 30. November bei deiner Kasse eintreffen. Eine Prämienerhöhung braucht es dafür nicht.
Einen Unterschied gibt es nur unter dem Jahr: Per 1. Juli wechseln kann nur, wer im Standardmodell mit der ordentlichen Franchise versichert ist, also CHF 300 für Erwachsene und CHF 0 für Kinder. Die Kündigung muss dann bis 31. März bei der Kasse sein. Mit Sparmodell oder Wahlfranchise geht ein Wechsel nur auf Ende Jahr, also jetzt.
Nutze diese Gelegenheit bewusst. Gerade wer sich vor Jahren für ein Sparmodell entschieden und seither nie mehr verglichen hat, sitzt oft auf unnötig hohen Kosten, weil er glaubt, gebunden zu sein.
Wechseln lohnt sich: Kasse, Modell und Franchise im Vergleich
Die Prämien für identische Leistungen unterscheiden sich zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse je nach Kanton um 40 Prozent und mehr. Ein Kassenwechsel ist deshalb meist der wirksamste einzelne Hebel. Daneben spielen zwei weitere Stellschrauben mit hinein:
- Versicherungsmodell: Im Standardmodell mit freier Arztwahl zahlst du am meisten. Hausarzt-, HMO-, Telmed- oder Apotheken-Modelle sind günstiger, weil du zuerst eine bestimmte Anlaufstelle kontaktierst statt direkt zum Spezialisten zu gehen. Je nach Kasse und Kanton sparst du damit 15 bis 25 Prozent.
- Franchise: Die obligatorische Grundfranchise liegt bei CHF 300, freiwillig kannst du sie bis auf CHF 2'500 erhöhen. Bist du selten krank, sinkt deine Prämie mit jeder höheren Stufe spürbar, im Gegenzug zahlst du im Krankheitsfall mehr selbst.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar: Eine 35-jährige Person in der Stadt Zürich zahlt 2026 im Standardmodell mit CHF 300 Franchise rund CHF 430 im Monat. Wechselt sie in ein Telmed-Modell und erhöht die Franchise auf CHF 1'500, sinkt die Prämie oft auf CHF 280 bis CHF 300, eine Ersparnis von gegen CHF 1'500 im Jahr. Im Gegenzug trägt sie im Krankheitsfall bis zu CHF 1'200 mehr selbst, die Rechnung geht deshalb nur auf, wenn sie tatsächlich selten zum Arzt muss.
Einen ausführlichen Fahrplan mit allen Hebeln im Detail findest du in Krankenkasse-Prämien senken: 5 Hebel für 2027.
Prämienverbilligung: der Hebel, den die meisten übersehen
Für viele Haushalte ist nicht der Kassenwechsel der grösste Hebel, sondern die individuelle Prämienverbilligung (IPV) durch den Kanton, gerade sie wird aber am häufigsten übersehen. Wer in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, hat darauf Anspruch. Massgebend sind dein steuerbares Einkommen, dein Vermögen und deine Haushaltsgrösse. Die Einkommensgrenzen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton stark.
Wie du zur IPV kommst, regelt jeder Kanton selbst. In Zürich schickt die Sozialversicherungsanstalt (SVA) Personen, die laut Steuerdaten wahrscheinlich Anspruch haben, ein Antragsformular. Wer keines erhält, kann bis Ende März des Folgejahres selbst einen Antrag stellen. In anderen Kantonen läuft die Frist viel früher ab: Im Kanton Luzern musst du dich für 2027 bis 31. Oktober 2026 anmelden. Wer später kommt, erhält sie nur für die Monate nach der Anmeldung. Die Verbilligung kann je nach Kanton und Einkommen mehrere Hundert bis über tausend Franken im Jahr ausmachen, für Familien mit mehreren Kindern oft deutlich mehr. Wer glaubt, knapp über der Einkommensgrenze zu liegen, oder sich seit Jahren nicht mehr erkundigt hat, verschenkt hier potenziell viel Geld. Ein Blick auf die Website deines kantonalen Sozialversicherungsamts kostet dich zehn Minuten und lohnt sich für praktisch jeden Haushalt mit mittlerem oder tieferem Einkommen einmal im Jahr.
Praxistipp: Dein Fahrplan bis Ende November
Warte nicht auf den Prämienbrief, sondern vergleiche schon jetzt, denn die offiziellen Prämien 2027 sind bekannt. Ein realistischer Fahrplan: Sobald die Zahlen da sind, vergleichst du auf Priminfo, dem offiziellen Prämienrechner des Bundes, oder auf einem kommerziellen Portal wie Comparis. Mitte November entscheidest du dich und verschickst die Kündigung eingeschrieben an deine bisherige Kasse. Parallel meldest du dich bei der neuen Kasse an, sie übernimmt die Kündigungsformalitäten oft für dich mit, ein rechtsgültiger Wechsel entsteht aber erst mit deiner eigenen fristgerechten Kündigung.
Finanzkalender
Alle wichtigen Finanztermine auf einen Blick, von der 3a-Einzahlung zum Steuern sparen über den Prämienwechsel bis zur AHV: Im Finanzkalender steht zu jedem Termin der passende Helfer oder Rechner. Gratis auch als Abo für deinen Kalender.
Fazit
5,0 Prozent mehr ist zwar weniger als die 8,7 Prozent von 2024, aber mehr als im Vorjahr. Eine Erleichterung ist das nicht, vor allem für Haushalte, die ohnehin schon knapp kalkulieren. Die gute Nachricht: Du bist der Erhöhung nicht einfach ausgeliefert. Zwischen Kassenwechsel, Modellwahl, Franchise und Prämienverbilligung hast du mehr Stellschrauben, als der jährliche Prämienbrief vermuten lässt. Vergleiche vor dem 30. November und lass dir die Entscheidung nicht durch Aufschieben abnehmen.